Für die Anfänge der Cyriakkapelle gibt es kaum Dokumentarisches - es war eine Zeit, in der man improvisieren und unkonventionelle Wege gehen musste.
Der Durchschlag eines Fragebogens, den ein Prediger-Pfarrer 1954 ausfüllen musste, berichtet immerhin, dass (wohl im Jahr 1949) Kirchenälteste zum Evangelischen Hilfswerk nach Stuttgart gereist waren, um Unterstützung für einen Kirchenbau zu erbitten. Bei dieser Gelegenheit soll es persönlichen Kontakt mit Prof. Bartning in der Bauabteilung in Neckarsteinach gegeben haben. Das hatte immerhin zur Folge, daß Bartning gewisse Veränderungen am Bauplan des Gebäudes - Umbau von Sakristei, Teeküche und Altarnische zu einer Wohnung - genehmigte und für die Oberbauleitung des Projektes verantwortlich zeichnete.
Über welche Wege das Vorhaben praktisch und finanziell realisiert wurde, ist unklar - Tatsache ist, dass die vorgeschriebenen kirchenbehördlichen Genehmigungsverfahren nicht abliefen: ein Briefwechsel zweier Kirchenbeamter in Berlin und Magdeburg stellt fest: "ein Wunder unserer Zeit" sei geschehen. "Es fehlen die schriftlichen Unterlagen und die Kapelle steht" (28.9.1950).
Der erste Spatenstich fand Anfang Juli 1950 statt. Unter Beteiligung zahlreicher Gemeindeglieder, darunter viele Frauen, wurden Fundament und Keller hergerichtet, wobei Trümmersteine der zerstörten Erfurter Barfüßerkirche Verwendung fanden. Es lebt auch noch die Erinnerung an die Wachdienste auf dem Bauplatz, denn die kostbaren Materialien brauchten Schutz. Schließlich wurde die Kapelle am 3. Advent 1950 eingeweiht. Den Namen Cyriak erhielt sie von der Cyriaksburg nahebei; auch die Siedlung, in der sie steht, trägt schon diesen Namen.
1964 wurde die Schwesternwohnung im hinteren Teil der Kapelle erweitert. Die beiden Räume und die Küche waren bis dahin kaum 1,80m breit gewesen, jetzt wurde ihre Breite verdoppelt. Dadurch bekam die Kapelle auch auf der Rückseite den Knick in der Dachschräge, der - einseitig - für die Bartningschen Diasporakapellen so typisch ist. Eine weitere Besonderheit!
Während sich manche der Geschwisterkapellen im Lauf der Jahrzehnte stark verändert hat, die meisten ihr Teil vom sich entwickelnden Wohlstand (beispielsweise in Form von isolierenden Fenstern) abbekommen haben, während andere durch neue, größere, "schönere" Kirchen ersetzt wurden, befindet sich die Cyriakkapelle in großen Teilen ihrer Substanz im Originalzustand. Der Fußboden im Innenraum ist zwar nicht mehr mit den originalen Holzsteinfliesen (ein Nachkriegsmaterial aus Ziegelpulver und Spänen) gepflastert, aber von diesen Fliesen, die dem Zahn der Zeit nicht standgehalten haben, sind in einer Ecke noch einige erhalten. Die Holzschindeldeckung der Anfangszeit musste bereits in den 1970er Jahren ersetzt werden. Seit Anfang 2001 steht die Kapelle unter Denkmalschutz. Nach einigen denkmalgerechten Sanierungsarbeiten befindet sich Cyriak in einem guten Zustand, der gleichwohl noch den "Charme" der Erbauungszeit ausstrahlt.